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"Grundbildung für Erwachsene - Implementierung von Lernmodulen zur Grundbildung an Volkshochschulen" - 5 Fragen an die Leiterin des Projektes

Inga Börjesson, Leiterin des Projektes "Grundbildung für Erwachsene" © Foto: Agentur Bellot In der Artikelserie „5 Fragen – 5 Antworten“ kommen Projektträger zu Wort, die Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) nutzen und über ihre Erfahrungen mit der Inanspruchnahme berichten. Dieses Mal wurde Inga Börjesson, Leiterin des Projekts „Grundbildung für Erwachsene – Implementierung von Lernmodulen zur Grundbildung an Volkshochschulen“ des Brandenburgischen Volkshochschulverbandes e. V. befragt. Ziel dieses vom Bildungsministerium geförderten Projekts ist es, Menschen, die kaum lesen und schreiben können – sogenannte funktionale Analphabeten – eine Grundbildung zu vermitteln.

 

Frau Börjesson, das Projekt „Grundbildung für Erwachsene“ wird durch das Land Brandenburg mit ESF- und Landesmitteln gefördert. Woher wussten Sie von der Fördermittelvergabe und wie diese Mittel beantragt werden müssen?

Auf die Möglichkeit der Projekte und ihrer Finanzierung wurden wir durch das Bildungsministerium hingewiesen. In einer gemeinsamen Beratung des Brandenburgischen Volkshochschulverbandes, des Bildungsministeriums und der LASA Brandenburg GmbH vor Beginn der ersten Antragstellung konnten grundsätzliche Fragen vorab gemeinsam geklärt werden. Laufende Verfahrens- und Förderhinweise erhalten wir ferner durch die Beratung und die Internetseite der LASA. Was das „wie“ betrifft, gab es bei uns zu Beginn viele Unsicherheiten bei der Fördermittelbeantragung und Fragen an die LASA, denn das Verfahren war für uns nicht selbsterklärend und die Anforderungen ändern sich ja auch. Am Anfang gab es deshalb viele „Versuche und Irrtümer“, aber mittlerweile sind wir schon ein eingespieltes Team was die Fördermittelbeantragung betrifft. Schwierigkeiten resultieren teilweise auch aus festgelegten Förderstrukturen, insbesondere die Aufteilung in Förderregionen Nordost und Südwest, die so nicht dem Bedarf im Rahmen der Projekte entsprechen.

 

Wofür setzen Sie die Mittel genau ein?

Mit den Projektgeldern werden Kurse an Volkshochschulen im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung finanziert. Das Gesamtangebot umfasst acht verschiedene Module in Form von Kursangeboten, von denen die Alphabetisierung den größten Anteil ausmacht. Die heutigen gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen machen es dringend erforderlich, Lesen und Schreiben zu können, die grundlegenden Rechenarten zu beherrschen sowie über Basiskenntnisse in Englisch und Computeranwendungen zu verfügen. Durch den Erwerb dieser Kenntnisse soll den Teilnehmenden die Bewältigung des Alltags erleichtert, die gesellschaftliche Teilhabe verbessert sowie der Zugang zum Arbeitsmarkt unterstützt werden. Die Kursangebote zur Alphabetisierung und Grundbildung werden durch weitere Projekte, durch Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildung der Kursleitungen begleitet.

 

 

Nehmen wir an, Sie hätten die ESF-Fördermittel nicht in Anspruch genommen. Was würde in Brandenburg heute fehlen?

Zunächst gäbe es für die große Zielgruppe der Betroffenen kaum Kursangebote, viel weniger Ermutigung zum Kursbesuch sowie weniger öffentliche Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für das Thema Alphabetisierung und Grundbildung. Auch eine Reihe positiver Folgewirkungen für die Betroffenen selbst und für die Gesellschaft – etwa im Bereich der Arbeitsplatzsicherung, der Gesundheit, der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe und Mitwirkung oder auch in der Familie – entfielen. Selbst wenn es ausreichend Kursangebote gäbe, so könnten Betroffene diese schon allein aus finanziellen Gründen gar nicht wahrnehmen, denn die Förderung ermöglicht auch eine preisgünstige, für Alphabetisierung sogar kostenfreie Teilnahme. Und es wäre kaum möglich, die Rahmenbedingungen für das Lernen herzustellen, die notwendig sind, um die Teilnehmenden individuell zu fördern. Das geht nur in kleinen Gruppen und mit der richtigen Lernberatung und -begleitung. Die Alphabetisierung ist ein brennendes Problem: Es gibt nach neuen Untersuchungen rund 7,5 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland. Das können und dürfen wir uns nicht leisten. Wir hoffen daher sehr auf die notwendige Unterstützung durch weitere Projektförderungen und auch auf einen Prozess des Umdenkens in der Öffentlichkeit.

 

Stichwort Öffentlichkeitsarbeit: Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Was hat sich bewährt? Was können Sie anderen raten?

Um ehrlich zu sein, ist dieses Thema hinsichtlich unserer Zielgruppen eine große Herausforderung, denn potenzielle Teilnehmende können über schriftliche Materialien nicht gut angesprochen werden. Gleichzeitig ist eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit in Funk und Fernsehen nicht finanzierbar. Wir versuchen also, auf Plakaten und Flyern mit Bildern und möglichst wenig Text zu arbeiten. Wir gehen auch davon aus, dass die geplante Öffentlichkeitskampagne, die der Bund für 2012 plant, unsere Arbeit unterstützt.

Die zweite Gruppe, die wir ansprechen wollen, sind die sogenannten Multiplikatoren, das heißt Kontaktpersonen etwa in Behörden und sozialen Einrichtungen, aber auch im Freundes- und Verwandtenkreis der Betroffenen. Für sie verwenden wir darüber hinaus umfangreicheres Material mit Hintergrundinformationen, wie zum Beispiel Broschüren und spezielle Artikel in diversen Veröffentlichungen. Zudem gibt es regionale Aktionen, etwa zum jährlichen Weltalphabetisierungstag am 8. September, und zahlreiche Informationsveranstaltungen, Gespräche sowie unsere Internetseite.

 

Sie haben vor rund fünf Jahren Mittel aus dem ESF beantragt. Wie lautet Ihre Bilanz zum heutigen Tag?

Die ist sehr positiv, denn obwohl es schwer ist, Menschen zu ermutigen, sich dem eigenen Analphabetismus zu stellen, haben wir bis heute über 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer betreut und die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr an. Auch immer mehr Volkshochschulen beteiligen sich an diesem Projekt. Wir würden es deshalb sehr begrüßen, wenn die nächste ESF-Förderperiode eine Weiterentwicklung und Ausweitung der Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote ermöglichen und die Förderbedingungen entbürokratisieren würde, sodass die bedarfsgerechte Bildungsarbeit einfacher wird.

 

Infos:
Brandenburgischer Volkshochschulverband e. V.
Inga Börjesson
Zum Jagenstein 3
14478 Potsdam
Tel.: 0331 2006693
Internet: www.vhs-brb.de

Quelle:
BRANDaktuell, Ausgabe Nr. 2/2012


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