Das Regionalbudgetprojekt, das von September 2008 bis August 2010 läuft, qualifiziert 19 Männer aus dem Landkreis Spree-Neiße für die berufliche Tätigkeit in Kindertagesstätten des Landes Brandenburg. Das Projekt ist in eine Orientierungsphase (finanziert über das Regionalbudget) und die eigentliche Qualifizierungsphase aufgegliedert, die über die Richtlinie ‚Qualifizierung und Stärkung der beruflichen Bildung, der Kinder- und Jugendhilfe und der Weiterbildung von Erwachsenen‘ des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport finanziert wird. Das Projekt wird vom Berliner Institut für Frühpädagogik durchgeführt.
Dass sie als männliche Erzieher eine Vorbildfunktion wahrnehmen, stand für Lars Mehl und Steven Henze bei der Teilnahme an dem Qualifizierungsprojekt allerdings nicht im Vordergrund. Für sie war eher wichtig, dass sie im Anschluss an die Qualifizierung gute Chancen haben, eine Arbeitsstelle zu finden - und die sind gerade für männliche Erzieher gegeben, wie eine Evaluation im Vorfeld des Projektes aufgezeigt hat. Die Entscheidung für einen Beruf als Erzieher trafen beide Männer nicht unvorbereitet. So hat Lars Mehl zuvor als ABM- und MAE-Kraft in einem Kindergarten gearbeitet. „Es macht mir einfach Spaß, mit Kindern zu arbeiten, deswegen finde ich es gut, dies als Beruf auszuüben", so Mehl, der schon eine abgeschlossene Ausbildung als Fernkraftfahrer absolviert hat. Und auch Steven Henze hat seiner Fallmanagerin spontan geantwortet: „das nehm‘ ich sofort", als sie ihm von dem Qualifizierungsangebot berichtet hat. Denn auch der gelernte Bäcker war vorher schon ehrenamtlich und über Beschäftigungsmaßnahmen in der Jugendbetreuung tätig.
Um den Beruf des Erziehers ausüben zu können, lernen Lars Mehl und Steven Henze neben der Theorie auch die Praxis kennen. Im Montessori Kinderhaus in Cottbus werden sie dazu von zwei erfahrenen Mentorinnen angeleitet, denn was sich in der Theorie leicht vermitteln lässt, ist in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen. Das kann auch Sylvia Suckert, eine der Mentorinnen, bestätigen: „Man braucht schon Erfahrung, dass einem beispielsweise 26 Kinder in einem Stuhlkreis konzentriert zuhören. Wie man dafür Gestik, Mimik und Stimme einsetzen kann, das versuchen wir, Lars und Steven zu vermitteln", so die Mentorin.
Und worin unterscheiden sich nun die männlichen Erzieher von den weiblichen? „Sie gehen anders mit Kindern um, während wir Erzieherinnen Konflikte bereits im Vorfeld vermeiden, tolerieren sie schon eher eine Rauferei ohne gleich einzuschreiten", so die Mentorin Birgit Gassan. Da männliche Erzieher auch eher bewegungsorientierter sind, kommt Lars Mehl und Steven Henze das Montessori-Konzept entgegen. Es wird mit den Kindern möglichst täglich draußen gespielt - auch bei widrigen Wetterverhältnissen. Keine Frage, dass beide Erzieher die täglichen Ausflüge in ihrer späteren Berufspraxis ebenso übernehmen möchten, wie die aktiven Ruhephasen zur Entspannung, die auch zum Montessori-Konzept gehören.
Elke Mocker - BRANDaktuell 4/2009

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